Poetische Szene passend zum Gedicht Die Hände meiner Mutter von Annegret Kronenberg

Die Hände meiner Mutter

Die Hände meiner Mutter

Jetzt ruhen sie häufig in deinem Schoß, deine Hände.
Sie sind müde geworden.

Du hast sie nie geschont, deine Hände.
Schon früh mussten sie sich an harte Arbeit gewöhnen.

Oft zerrissen und geschunden, blieben sie zart und weich.

Du brauchtest sie nie zu verbergen, sie waren immer schön.

Nie waren sie mit Schmuck behangen, deine Hände.
Sie ziert nur ein schlichter Goldreif, der dich mit dem
geliebten Mann noch über den Tod hinaus verbindet.

Sie haben mich gestreichelt und liebkost.
Auch heute tut es noch gut, wenn sie mich sanft berühren.

Viel haben sie gebetet, deine Hände.
War dein Mund oft stumm vor Leid,
trugen sie dein Gebet zum Himmel.

Wie viel Segen haben sie gespendet,
so mancher ist dir dafür noch heute dankbar.

Manchmal waren sie einsam, deine Hände.
Sie sehnten sich nach der starken Hand,
die sie führen und leiten konnte.

Was haben sie alles vollbracht,
Man merkt es ihnen gar nicht an.
Sie sehen so aus, als hätten sie ein ganzes Leben lang
nur gestreichelt, deine Hände.


Annegret Kronenberg · 2005
Kategorie: Alter & Lebensherbst
Stimmung: Dankbarkeit, Liebe
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