Poetische Szene passend zum Gedicht Los der Fischer von Annegret Kronenberg

Los der Fischer

Los der Fischer

Ganz verborgen auf der Insel

liegt ein altes Fischerhaus.

Träume wurden hier geboren,

die Wirklichkeit sah anders aus.

Vom Wind zerzaust sein Dach aus Ried,

die Farben vom Regen blass.

Stetig sang der Wind sein Lied,

verdarb so manchen Spaß.

Nacht für Nacht trieb es den Fischer

mit dem Kahn hinaus aufs Meer.

Manchmal war die Beute sicher,

häufig blieb das Netz auch leer.

Voller Hoffen, voller Bangen

blieb die junge Frau zurück.

Drückt' an den Busen ihre Rangen,

erträumt'  für sie ein anderes Glück.

Kehrte morgens dann der Fischer

von der schweren Arbeit heim,

stand die junge Frau am Hafen

mit durchwachten Äugelein.

So ging es eine bange Zeit,

dann brach ein Unglück diesen Bann,

er fand kein sicheres Geleit,

der Sturm zerschlug ihm Kahn und Mann.

Die Fischerfrau konnt' nicht mehr weinen,

die Jahre hatten sie geduckt.

Sie kämpfte nur noch für die Kleinen

und wusst', dass auch das Meer sie schluckt.

Das war das Los der Fischerleute:

Was heut noch träumt' und blüht' so schön,

das war schon morgen Meeresbeute

und wurde meist nie mehr geseh'n.

Dem Meere kann man nichts entreißen,

es fragt nicht nach dem Leid, dem Glück.

Was es verschling, will es zerreißen,

gibt seine  Beute nie zurück.


Annegret Kronenberg · 2011
Kategorie: Gesellschaft
Stimmung: Trauer
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