Nein, sie sah auch im Winter nicht aus
wie eine verschrobenen Alte
mit ungekämmten Haaren.
Selbst in ihrer Nacktheit war sie
bewundernswert schön und so sanft,
die alte Trauerweide
in Nachbars Garten.
Wir liebten uns,
hielten oft ein
Pläuschchen und sie umspielte
mich dabei mit ihren langen Ruten.
Im Frühling und Sommer erzählte sie
mit von den vielen Vögeln,
die bei ihr ein Zuhause fanden.
HEUTE STARB SIE.
Sie fiel keiner Axt zum Opfer,
nein, scheibchenweise mußte
sie ihr Leben lassen.
Der Himmel trauerte mit mir
und ließ seinen Tränen freien Lauf.
Bald werde ich an ihrer Statt
eine Klinkermauer betrachten können,
aus echten handgeformten Steinen.