Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg eröffnete ein junges Konditorehepaar in meiner Heimatstadt ein kleines, romantisches Café in der Nähe des Bahnhofes.
Dann brach der Krieg aus und machte vor dem jungen Paar nicht Halt. Der Ehemann wurde von der deutschen Wehrmacht eingezogen.
Während er an der Front kämpfte, gebar seine Frau ihr erstes Kind, eine kleine Tochter. Sie nannte sie Monika, ein damals sehr verbreiteter Name. Es gab sogar einen Schlager, der besonders bei den Soldaten beliebt war, mit dem Titel: "Lebe wohl, du kleine Monika".
Als Monika ein paar Monate alt war, kam ein Bahnbediensteter ins Café gelaufen und teile der Mutter mit, dass am Bahnhof ein Militärzug stünde, in dem sich auch ihr Mann befände. Die Mutter legte ihr Kind in den Kinderwagen und rannte damit zum Bahnsteig. Alle Zugfenster waren geöffnet und die Soldaten schauten heraus. Sofort entdeckte sie ihren Mann und hob ihm sein Töchterchen entgegen, das er noch nie gesehen hatte. Fast im selben Moment setzte sich der Zug in Bewegung.
Aus allen Fenstern scholl aus heiseren Kehlen: "Lebe wohl, du kleine Monika!"
Monika durfte ihren Vater nie wiedersehen.