geb. Köstler · * 12. März 1939 in Gronau/Westfalen · † 15. Oktober 2023
Roter Mohn, wie bist du schön, du Elfe unter den Blumen.
Deine Blütenblätter sind so zart wie ein Hauch
und doch so prall mit Liebe gefüllt,
als hätte sich ein ganzes Herz an dir ausgeblutet.
Alle meine Sehnsucht, meinen Schmerz, meine Liebe
vereinigst du in dir.
Wiege noch lange dein Köpfchen im Sonnenwind,
mein roter Mohn.
Annegret Kronenberg war eine leidenschaftliche Dichterin, die über viele Jahre hinweg mehr als 1.450 Gedichte schrieb – über die Natur, die Liebe, das Leben und seine Vergänglichkeit. Ihre Gedichte entstanden aus dem Alltag, aus Beobachtungen in ihrem Garten, aus Freude und Trauer, aus Begegnungen und Abschieden. Sie schrieb mit einer Sprache, die gleichzeitig schlicht und berührend war.
„Sie ist für mich der erste Mensch, der das ausspricht, was ich empfinde und oft empfunden habe."
– eine Leserin über Annegret Kronenberg
1997 – Erste Veröffentlichung gemeinsam mit drei anderen Autoren im Lyrikband „Blickrichtungen".
2001 – Erster eigener Gedichtband „Eigentlich sollte es Sommer sein...", im Selbstverlag über Books on Demand. Start des Internet-Literatur-Projekts „rotermohn.de" – bis Ende 2003 über zwei Millionen Seitenaufrufe aus mehr als 100 Ländern.
2002 – Veröffentlichungen in Anthologien der „Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes" und den „Lyrischen Glanzlichtern". Der Schroedel-Verlag veröffentlicht ihr Gedicht „Krieg" in „Stark in Deutsch – Lernideen & Materialien für Lehrerinnen und Lehrer".
2003 – Ihr Gedicht „Abschied" eröffnet den Spielfilm „One Memory" der O'Neil Entertainment Filmproductions. Zweiter Gedichtband „Lasst mir meinen wilden Garten".
2004 – Relaunch des Internet-Projekts als „gedichte-garten.de". Mit ihrem Gedicht „Die blaue Muschel" begleitet sie die Literaturausstellung im Deutschen Röntgen-Museum in Remscheid.
2009 – Dritter Gedichtband „Gedankenspaziergänge".
2013 – Vierter und letzter Gedichtband „Es können nicht immer Rosen blühen".
Alle vier Gedichtbände wurden im Selbstverlag über Books on Demand veröffentlicht und sind weiterhin im Buchhandel und online erhältlich. Zu den Büchern →
Also, am 12. März tat ich, das Sonntagskind, zwischen Suppe und Kartoffeln, meinen ersten Schrei. Nach ein paar Tagen im Krankenhaus brachte meine Mama, sie hieß Grete, mich nach Hause, wo wir von Papa Georg sehnsüchtig erwartet wurden. Wäre das kleine Malheur nicht passiert, hieße ich heute Norbet. Meine Eltern liebten mich aber nicht minder als Annegret.
Von Papa wurde ich vergöttert. Vielleicht ahnte er, dass unsere gemeinsame Zeit nur kurz bemessen war.
In wilden Kriegswirren, in denen es immer wieder Abschiede gab, wuchs ich auf. Nicht nach der Devise „Augen zu und durch", sondern als übersensibles Kind, alles durchlitten und ausgekostet, es gab nämlich beides.
Unvergessen bleibt ein Tag, der unauslöschliche Spuren in meinem Herzen hinterlassen hat. Es war der Tag, an dem uns übermittelt wurde, dass mein geliebter Vater „in höchster soldatischer Pflichterfüllung sein Leben für Führer, Volk und Vaterland" hingegeben hatte. Diese Nachricht prägte mein Leben. Nun gab es nichts mehr zum Festhalten oder Anlehnen, nicht einmal einen Grabstein.
In der sogenannten „schlechten Zeit" absolvierte ich erfolgreich meine Schul- und Berufsausbildung. Trotz Armut war es eine sonnige Zeit mit vielen positiven Erlebnissen.
1962 wurde Hochzeit mit dem jungen Kaufmann Hans Kronenberg gemacht. Wir hätten dieses Fest gern unter das Motto: „Es war eine rauschende Ballnacht" gestellt. Es reichte aber nur für eine „Dreigroschenoper." Trotzdem waren wir glücklich und verliebt.
Ein Jahr später strebten wir die berufliche Selbständigkeit an. Wir setzten uns ein Ziel, zogen grobe Wanderstiefel an und machten uns auf den Weg. Gemeinsam bezwangen wir alle Hindernisse und kamen an, mit zerschundenen Füßen und blutigen Knien, aber wir kamen an.
Als Krönung unserer Ehe wurden uns drei wunderbare Kinder geschenkt. Als die Kinder nach ihrem Studium das Haus verließen, wusste ich mit meiner Fürsorge und Liebe nicht wohin. Es gab aber noch zwei junge Dackelrüden, Hardy und Bernhard, die bekamen nun den ganzen Segen ab.
Neben Geschäft und Haushalt pflegte ich, mit kurzen Unterbrechungen, fast 20 Jahre lang pflegebedürftige Familienangehörige, davon zehn Jahre lang meine beidseitig beinamputierte Mutter. Die Schicksale und Krankheiten dieser Menschen haben mich geformt und reifen lassen.
1986 brach für mich ein langer und schmerzhafter Leidensweg an. Um die vielen ungeweinten Tränen verarbeiten zu können, begann ich mit der Schreiberei. Inzwischen habe ich nach ein paar großen Operationen die Krankheit in den Griff bekommen. Geblieben ist das Schreiben.
– Annegret Kronenberg
Der Gedichte-Garten war Annegrets digitales Zuhause – eine Website, die sie zusammen mit ihrem Sohn Hanns aufgebaut hat. Hier veröffentlichte sie über 1.450 Gedichte und zahlreiche Sprüche und Aphorismen, die von einer treuen Leserschaft aus aller Welt geschätzt wurden.
Die meisten Gedichte und Aphorismen von Annegret Kronenberg sind Momentaufnahmen ihrer Gefühle. Was als Weg begann, ungeweinte Tränen zu verarbeiten, wurde zu einem Lebenswerk, das tausende Menschen berührt hat.
Das Leben stellte Annegret Kronenberg vor die schwerste aller Prüfungen: Zwei ihrer drei Kinder starben vor ihr. Ihr Sohn Heiko und ihre Tochter Dr. Antje Kronenberg, die im Januar 2021 verstarb, hinterließen eine Lücke, die sich nicht schließen ließ. Diese Verluste belasteten ihre letzten Lebensjahre schwer – und doch spiegeln sich gerade in ihren Gedichten über Trauer, Abschied und Schicksal die Kraft und Tiefe einer Frau, die auch das Dunkelste in Worte zu fassen wusste.
Annegret Kronenberg verstarb am 15. Oktober 2023 in ihrer Heimatstadt Gronau.
Ihr geliebter Mann Hans Kronenberg, mit dem sie seit 1962 alle Höhen und Tiefen des Lebens teilte, folgte ihr am 3. März 2026. Jetzt sind beide wieder vereint.
Der Tod seines Vaters gab ihrem Sohn Hanns den Anlass, den Gedichte-Garten als dauerhaftes digitales Archiv neu aufzubauen – damit die Worte seiner Mutter weiterleben und auch zukünftige Generationen berühren können.